Der Podcast von Reise vor9

Transkript

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00:00:04:

00:00:19: Die letzte Juli-Ausgabe, es geht so schnell im Jahr und während wir die Sommerhitze alle genießen.

00:00:26: Und Sie haben eine gute Woche!

00:00:30: Heute eine neue Ausgabe zu präsentieren.

00:00:32: Hier kommt jetzt gleich der Talk der Woche, davor stellen wir uns aber noch vor und erzählen auch warum Christian Schmicke diesmal auf ne ganz besondere Reise geht?

00:00:41: Hier ist er!

00:00:41: Der Chefredakteur von Reise von neuen Christian Schmickel.

00:00:44: Und hier ist Sabrina Gander die Chefin von St.

00:00:47: Helmholtz Tourism Audiovision.

00:00:48: Das

00:00:49: habe ich schon so ein bisschen angekündigt.

00:00:50: das geht um ne ganz besondere Reiese in Gedanken.

00:00:52: auf jeden Fall machst du die nochmal mit denn Es gibt ja manchmal im Leben so einen Moment, wo man sich denkt okay jetzt muss ich wirklich was ändern und dann gibt es immer eine Kertwende auf einmal.

00:01:04: Und die ganzen Gedanken, die man davor hatte waren manchmal schwerer als der Weg den man eigentlich geht.

00:01:10: Genau so eine Geschichte hören wir gleich und du darfst mal erzählen um wen und was es sich vor allem handelt.

00:01:18: Den Gedanken dass man etwas Grundsätzliches im Leben ändern haben sich ja viele von uns schon gehabt, auch viele Touristikerinnen und Touristika.

00:01:29: Eine ganz besondere Entscheidung hat in dieser Hinsicht Anja Kochascheidt getroffen die damals erfolgreich ihre eigene PR-Agentur in Sachen Touristik führte und zu dem Ergebnis kam das ihr Job sie und auch ihren Mann der ebenfalls selbstständig war doch zu sehr in Beschlagnahmen, um noch ein anständiges Familienleben zu führen.

00:01:57: Was die dann gemacht haben war nicht einfach sich zurückzuziehen sondern sie haben einen alten Lkw des THW des technischen Hilfswerks zu einem Expeditionsmobil umgebaut sind dann damit aufs Schiff und nach Nordamerika gereist und von dort ein Jahr durch Nord- und Mittel Amerika.

00:02:18: Dabei waren sie und ihr Gatte übrigens nicht alleine, sondern die beiden Kinder, die eigentlich schulpflichtig gewesen wären aber von der Schulpflicht befreit worden waren, waren auch dabei.

00:02:29: Und über ihre Erlebnisse und vor allen Dingen auch über die Erkenntnisse, die sie aus dieser Reise gewonnen hat spreche ich mit ihr im aktuellen Podcast.

00:02:37: Anja hat übrigens zu diesem Thema gerade ein Buch mit dem schönen Titel Lasterleben veröffentlicht das im Eigenverlag bei ihr erhältlich

00:02:47: ist.

00:02:48: Na dann sag ich ganz viel Spaß, hier kommt der Talk der Woche.

00:02:51: Hallo Anja!

00:02:52: Hallo Christian!

00:02:54: Ihr habt vor einigen Jahren mit ihr es gemeint du dein Mann und eure zwei Kinder was gemacht was für viele erstmal ziemlich verrückt klingt.

00:03:06: Ihr habt nämlich einen alten THW LKW umgebaut zu einem Camper oder Expeditionsmobil.

00:03:15: Dann seid ihr, glaube ich aufs Schiff gegangen und dann seid ihr ein Jahr durch Nord- und Mittelamerika geturnt.

00:03:21: Wie konnte es bereut kommen?

00:03:24: Das ist eine schöne Frage!

00:03:27: Ja das muss ich vielleicht einen kleinen Tick auszuholen.

00:03:30: Und zwar sind sowohl mein Mann als auch ich beide selbstständig und hatten kleine Firmen aufgebaut.

00:03:37: Ich ne PR-Agentur für Tourismus und mein Mann eben in der Personaldienstleistungsbranche Und waren da auch relativ erfolgreich und hatten Riesenspaß.

00:03:46: Also die Jobs haben uns wirklich viel Spaß gemacht!

00:03:51: Die Crocs an der Geschichte war, dass wir den Spagat zwischen Familie also unseren beiden kleinen Kindern und den beiden Firmen nur relativ schwierig hingekriegt haben.

00:04:02: Also irgendwas ist halt immer auf der Strecke gebieten und wir haben uns dann zu einem bestimmten Zeitpunkt da waren die Kinder, also unsere Tochter stand kurz vor der Einschulung unser Sohn war schon in der Grundschule.

00:04:16: Da haben wir gesagt so können wir irgendwie nicht weitermachen müssen mit dem neuen Plan fassen und hatten uns überlegt ja wir drücken jetzt einfach mal für ein Jahr auf Pause Was machen wir in dem Jahr?

00:04:30: Wir wollten uns aus dem Umfeld, indem wir ja so am Rödel und Rotieren und am Funktionieren waren irgendwie weitestmöglich entfernen.

00:04:38: Um einfach mal den Kopf freizukriegen und auf neue Ideen zu kommen und auszuloten was wo wollen da eigentlich hin mit unserem Leben und unserer Familie?

00:04:46: Und wie könnte ein alternatives Modell für uns aussehen als das was wir halt bisher gefahren hatten?

00:04:52: Und dann kam uns auf einer Wanderung in Andalusien.

00:04:55: Da hatten sich mein Mann und ich tatsächlich mal eine Woche losgeeist, die Kinder bei den Großeltern geparkt in Anfangsstrichen.

00:05:02: Da kamen uns dann die Idee ja wir könnten doch ne lange Reise machen und nachdem wir irgendwie also ich so ein Herz für Mitten Südamerika habe, liebe alles was irgendwie mit spanischsprachigen Kultur zu tun hat, kam uns die Idee die Panamerikaner unterzufangen.

00:05:20: So war eigentlich die lange Geschichte kurz.

00:05:23: Sowas entscheidet man, aber ich gehe mal davon aus dass man dann nicht gleich in der Folgewoche losfahren kann.

00:05:29: Wie habt ihr die ganze Angelegenheit denn vorbereitet?

00:05:32: Ja, also wir haben uns ein Jahr Vorbereitungszeit gegeben.

00:05:36: Also nachdem wir auf der Wanderung in Andalusien waren und gesagt würden das gerne machen, haben wir natürlich auch noch irgendwie paar Monate hin- und her überlegt.

00:05:42: aber so eine Idee wenn die einmal irgendwie im Kopf ist, also jedenfalls ist es bei uns so... Die lässt einen dann auch nicht mehr los und macht man sich natürlich Gedanken wie ist das mit Schule?

00:05:51: Wie ist das denn mit den Risiken unterwegs?

00:05:54: Wie is' das mit der Gesundheit und und und Aber?

00:05:56: wir haben dann einfach gesagt, irgendwie sind wir beide überzeugt, dass das zu diesem Zeitpunkt genau das Richtige ist.

00:06:03: Wir hatten auch verschiedene Schwierigkeiten, wo wir gemerkt haben die Kinder... Also unser Sohn hatte motorisch starke Probleme und wir haben es natürlich versucht über Ergotherapie, Physiotherapie und sonst was aufzufangen.

00:06:15: aber das ist uns alles nicht gelungen und wir müssen da einen anderen Weg finden.

00:06:19: deswegen waren wir überzeugt der Weg ist eigentlich gut, dass wir jetzt einfach mal die Zeit nehmen als Familie ein Jahr zu gucken, womit geht es uns allen eigentlich gut.

00:06:29: Und ja und dann haben wir eigentlich in einer Haurokaktion entschieden okay wir machen das jetzt.

00:06:35: was brauchen wir?

00:06:35: Wir brauchen als erstes ein Auto und zwar eins was wir auch selber reparieren können, was möglichst wenig Elektronik irgendwie an Bord hat.

00:06:43: Mein Mann hatte dann so in verschiedenen Internetforen sich schon beschäftigt und hat gesagt ja hier diese Rundhauber die auch beim THW eben ausgemustert werden an in Mittelamerika und Südamerika überall rum.

00:06:55: Da gibt es sicherlich Ersatzteile, da gibt es Leute die das reparieren können wenn irgendwie etwas Größeres wäre.

00:07:00: Genau so haben wir dann für den verschiedenen Autobörsen geschaut wo gibt's solche Oldtimer?

00:07:08: Und haben dann einen gefunden in Berlin, haben ihn gekauft weil der war relativ günstig.

00:07:13: Was wir nicht kalkuliert hatten ist natürlich auch... Das heißt nicht kalkuliert, das waren schon bewusst aber du kannst es halt konkret kalkulieren.

00:07:21: Wie viel so was da noch mal kostet, so ein Ding auszubauen und so fit zu machen, dass du damit auch tatsächlich auf die Straße kannst?

00:07:27: Das war der erste Schritt.

00:07:28: wir haben das Auto gekauft, haben uns dann drum gekümmert wie wird den Ausbau organisieren, wie wir einen Lkw Führerschein machen, wie wird es gefährt überhaupt TÜV kriegen?

00:07:38: Das ist nämlich auch nicht ganz so einfach!

00:07:40: Naja und dafür für diese ganze Vorbereitungszeit hatten wir uns ein Jahr genommen.

00:07:44: also das heißt wir haben im Sommer das Auto gekauft und im Anfang Juli, zwei Tausend neunzehn.

00:07:52: da hatten wir dann die Überfahrt gebucht nach Kanada.

00:07:54: War

00:07:54: es denn eigentlich schwer?

00:07:55: Die Kits von der Schulpflicht befreien zu lassen?

00:07:58: Erstaunlicherweise nicht!

00:07:59: Das war ehrlich gesagt unsere größte Sorge weil wir hatten auch den Plan B dass sich halt einer von uns gegebenenfalls aus Deutschland abmelden muss um damit die Kinder von der Schulflicht befreit sind.

00:08:11: aber wir haben einfach ganz offen Erst mal das Gespräch mit der Schulleiterin gesucht und haben ihr von unserem Vorhaben erzählt.

00:08:18: Und sind da überraschenderweise wirklich offene Türen angerannt, also die hat gesagt, dass ist grandios.

00:08:23: irgendwie macht das auf jeden Fall ihr Go-Haben wir weil die Kinder werden unterwegs so viel lernen was die Grundschule einfach überhaupt nicht vermitteln kann an diesen Erfahrungen diese unterwegs machen können.

00:08:36: Ja, dass sie gesagt hat, sie supportet das auf jeden Fall und wir sollten ihr das dann einfach noch mal schriftlich geben und nochmal Schildern die wir uns auch überlegt hatten wer wie unterrichtet unterwegs.

00:08:46: Das haben wir ja alles aufgeschrieben.

00:08:48: Haben dann auch mit in die Waagschale geworfen, dass ich einmal drei Semester auf Lehramt studiert habe.

00:08:53: Es war nicht abgeschlossen.

00:08:54: aber naja man nimmt hier alles was man so hatte was man da reingeben kann Und dann hat sie das eben mit einer entsprechenden Empfehlung an die Schulbehörde weitergeleitet und die hat dann das letzte Wort.

00:09:05: Das ist in jedem Bundesland irgendwie individuell geregelt, aber die Schulbehörde entscheidet dann ob das genehmigt wird oder nicht?

00:09:11: Wir hatten innerhalb von zwei Wochen das OK von der Schulbehöde.

00:09:14: also das haben wir uns viel viel davor gestellt.

00:09:17: Das war tatsächlich ganz einfach!

00:09:18: Für so ein Track braucht man ja einen Lkw.

00:09:20: Führerschein habt ihr den auch noch vorher gemacht.

00:09:24: Parallel zum Ausbau haben wir den gemacht, ging auch relativ zäh vonstatten weil wir immer wenig Zeit hatten.

00:09:30: Wir hatten ja noch unsere Firmen die gelaufen sind dann den Ausbau der Kinder.

00:09:35: also wir haben zwischendurch paar Theoriestunden eingeschoben und die Praxisstunden haben wir dann wirklich in so einer Hauruckaktion glaube ich zwei Wochen absolviert und haben dann glücklicherweise beide auf Anhieb den Führerschein geschafft.

00:09:47: Aber unser Fahrzeug war ja, also A ist das kein moderner LKW wie der auf dem wir den Führerschein gemacht hatten.

00:09:55: Das ist noch mal von der Technik was ganz anderes und B hatten wir auch noch keinen TÜV so dass wir also überhaupt keine Probefahrt machen konnten bevor wir gestartet sind.

00:10:03: Wir haben den quasi... Also die erste Fahrt hat mein Mann glücklicherweise übernommen.

00:10:08: Der ist dann hier von Schleswig-Holstein nach Hamburg zum Hafen gefahren, hat ihn aufs Schild gefahren Und dann haben wir ihn in Kanada wiedergesehen und durften da quasi unsere erste Probefahrt machen.

00:10:18: Also was ist das?

00:10:18: Dann geht es ein echter Kaltstart, ne?

00:10:20: Ja, das war sehr abenteuerlich!

00:10:23: Und ihr seid dann wenn ich es richtig mitbekommen habe tatsächlich mitsamt dem Lkw und mit Mann und Maus an Bord eines Frachtschiffs gegangen.

00:10:34: Genau, wir sind auf das Containerschiff mit drauf gegangen.

00:10:36: Ich weiß gar nicht ob es jetzt noch geht aber das war damals eine Möglichkeit dass man da eben auch mitfahren konnte.

00:10:44: und das haben wir auch bewusst so gemacht weil wir gesagt haben okay dann aus diesem ganzen Hamsterrad und dem Gerödel in dem wir ja insbesondere auch in den Vorbereitungsjahr nochmal gesteckt haben Das war ja dann irgendwie nochmal eine Zusatzbelastung dieser ganze Ausbau usw.

00:10:59: Haben wir gesagt ist ein Container auf dem du wirklich nichts machen kannst.

00:11:02: Wo es keinerlei Bespaßung gibt, kein Satellitennetz und schon aber halt unbezahlbar teuer.

00:11:07: also wir hatten dann keinen Handy nix.

00:11:08: Wir haben gesagt das ist so eine Bremse die vielleicht ganz heilsam erstmal um runterzukommen.

00:11:15: Dann lass uns doch jetzt mal über die Reise selbst sprechen.

00:11:18: wo seid ihr denn in Nordamerika zunächst angekommen?

00:11:22: Ihr habt's ja nicht ganz bis nach Feuerland geschafft wenn ich das richtig verfolgt habe.

00:11:26: Wie war ungefähr eure Route?

00:11:28: Und hattet ihr die vorgeplant oder habt ihr so in den Tag reingelebt.

00:11:32: Wir haben die bewusst nicht vor geplant, also wir wussten, wir kommen an Tag X mit Juli irgendwann in Halifax an in Kanada und gucken dann mal schlagen uns so nach Westen durch bis zu den Rockies.

00:11:46: das hatten wir.

00:11:47: eigentlich wollten wir auch noch durch die Rockies fahren.

00:11:49: da hat uns aber der Winter überrascht und wir waren irgendwie auf Winter nicht so richtig eingestellt, wir hatten keine Schneeketten Ja, auch mit der Heizung.

00:11:56: Das wäre zwar irgendwie gegangen aber nicht sehr bequem.

00:11:59: und genau.

00:12:00: wir haben dann gesagt okay jetzt sind wir an den Füßen der Rockies und bieten dann quasi nach Süden ab fahren durch die USA Yellowstone, da haben wir länger besucht.

00:12:11: Dann sind wir dann so Richtung Utah weitergefahren Grand Canyon Kalifornien.

00:12:17: uns sind dann in Tijuana über die Grenze nach Mexiko gefahren Und haben dann erstmal Bacha California gemacht, da hatten uns unterwegs Leute erzählt ja das ist so bisschen Mexiko Leid.

00:12:29: Da kann man den Kulturschutz ein bisschen abfedern vielleicht?

00:12:34: Genau.

00:12:34: und sind dann von Bacha Kalifornia nach Mexiko wieder vom Westen im Zickzackkurs bis nach Yucatan gefahren und dort dann über Belize nach Guatemala.

00:12:48: Und in Guatemala sind wir am Artitlanssee, also wirklich im paradiesischen Umgebung muss man sagen gestrandet weil der Lockdown kam.

00:12:57: Im März-März war dann ja der Lock Down auch mit Guatemala und wir haben da noch fünf Monate ausgeharrt weil wir dachten vielleicht öffnen sich die Grenzen wieder.

00:13:09: das war auch relativ Ja, eine bewegliche Angelegenheit da vor Ort.

00:13:14: Es schien immer so als könnte vielleicht in den nächsten Tagen und Wochen irgendwie ne Grenze nach Süden aufmachen.

00:13:20: dann hätten wir weiterfahren können und das haben wir eben immer abgewartet in der Hoffnung dass es doch irgendwann weitergeht.

00:13:27: und nach fünf Monaten im August zwanzigzwanzig sind wir dann über Mexiko wieder nach Hause ausgereist sozusagen.

00:13:35: Nun ließe sich mit der Reise selbst natürlich ein ganzes Buch füllen.

00:13:39: Das hast du ja auch gemacht, eines mit dem schönen Titel Lasterleben!

00:13:44: Aber wenn Du jetzt mal über besonders prägende und wichtige Ereignisse in Zuge der Reisen nachdenkst... welche waren das?

00:13:51: Also, da gibt es natürlich Unzählige.

00:13:53: Aber das eine war ich, hatte das ja vorhin angedeutet, dass zum Beispiel unser Sohn motorisch so Schwierigkeiten hatte und wir da wirklich von Pontius zu Pilatus gelaufen sind in Hamburg um das irgendwie therapieren zu lassen im Anfangsstrichen Das waren zum Beispiel nach ein paar Monaten.

00:14:12: Ich kann jetzt nicht mehr genau den Moment sagen, aber wo wir dann festgestellt haben, wenn wir uns irgendwie Videoaufnahmen von ihm vor der Reise angeguckt haben und ihn beobachtet haben wie er zu dem Zeitpunkt sich bewegt hat einfach das war ein komplett anderes Kind.

00:14:26: also das war wirklich wer ist auf Bäume geklettert?

00:14:28: Der ist über Stein balanciert und hat die ganzen Übungen, die du ja Zuhause auch vom Physiotherapeut, Ergotherapeuten mitkriegst was du zu Hause dann zehn Minuten am Tag üben sollst einen Tag aus, irgendwie vierundzwanzig Stunden gefühlt gemacht und hat das dadurch ganz natürlich seine motorischen Probleme irgendwie selber therapiert.

00:14:51: Also da war die Natur quasi der Therapeut.

00:14:54: Das war schon sehr berührend auch zu sehen was das irgendwie einfach für ein Effekt hatte.

00:15:00: Das hatten wir überhaupt nicht geplant wirklich buff, wie der dann auch in Mexiko plötzlich so ein Palmstamm hochgekraxelt ist.

00:15:09: Das wäre vorher undenkbar gewesen.

00:15:11: Toll waren auch zum Beispiel dass wir aus so kleinen Begebenheiten wie dem Streit wer heute dran ist mit spülen und wer abtrocknen muss da haben wir gemeinsam eigentlich so eine Institutionen geschaffen, einen Familienrat.

00:15:27: Den wir auch bis heute so fortsetzen.

00:15:29: Da findet jetzt einmal die Woche statt und dann wird irgendwie alles auf den Tisch gebracht was so gut gelaufen ist das schlecht gelaufen war.

00:15:34: sich der eine wünscht dass ich der andere wünschte ein bisschen basisdemokratisch wird dann ausbaldowert wie irgendwie die nächste woche abläuft oder auch die nächsten mehreren Wochen.

00:15:45: solche Sachen haben wir mitgenommen aber auch so also auch auf der partnerschaftlichen Ebene.

00:15:49: wir hatten uns ja vorher durch unser Hamsterrad, indem wir da gesteckt haben irgendwie auch so ein bisschen aus den Augen verloren.

00:15:55: Wir haben eigentlich nebeneinander her funktioniert und geguckt dass wird in Alltag wuppen aber wir haben gar nicht mehr die Bedürfnisse des anderen wirklich wahrgenommen Und das klingt so ein bißchen spinnert.

00:16:07: vielleicht war es aber gar nicht.

00:16:09: also weil überhaupt keine esoterischen Typen sind.

00:16:12: Aber wir haben dann in Guatemala Zufälligerweise neben so einem Schamanenpärchen gewohnt.

00:16:18: Die zwei Praktikanten hatten, mit denen sie eine Ayahuasca-Zeremonie üben wollten und da haben Sie quasi noch Publikum gesucht, die auch mitmachen.

00:16:27: Ich hatte sehr großen Respekt vor und habe mich dann wirklich mit viel überreden darauf eingelassen.

00:16:34: Das haben wir gemacht und das hat einen Effekt auf unsere Beziehung gehabt den man eigentlich gar nicht so groß mit Worten beschreiben kann.

00:16:43: Also das war, hat so ein bisschen das Grundvertrauen auch wieder hergestellt.

00:16:48: Das waren Sachen die kannst du halt nicht planen aber die sind einfach passiert und wo ich auch im Rückblick sagen würde es sollte auch so sein.

00:16:56: also vielleicht gibt's da wirklich sowas wie ein Schicksal.

00:16:59: nun hockt man ja Du hast es eben erwähnt, wenn man mit so einem Truck unterwegs ist dann auch ja mal länger ziemlich eng aufeinander.

00:17:09: Ging das reibungslos oder war das schwierig?

00:17:11: Nee, das ging sehr reibungslos also erstaunlicherweise.

00:17:15: Das hat damit zu tun dass wir auf während der Fahrt Kannst in dem LKW eigentlich mit kleinen Kindern jedenfalls, kann man zu viert vorne in der ersten Reihe sitzen.

00:17:28: Wir hatten da immer irgendwie ein Hörspiel an oder haben uns unterhalten und Das war, während Fahrzeiten wirklich ganz unkompliziert.

00:17:37: Unser Sohn konnte ja dann schon lesen bei der dritte Klasse.

00:17:41: Der hat auch sein Kindle dabei gehabt und halt aber für eine ganze Bibliothek wie der gebraucht hätte.

00:17:46: Er hatte keinen Platz, aber er hat dann auf seinen Kindle ganz viel gelesen und hat sich jeder so ein bisschen selber beschäftigt.

00:17:53: Und wenn wir standen irgendwo, dann war es ja meistens in der Natur, sodass ich die zwölf Vertratmeter eigentlich ausgeweitet haben auf einen Riesenareal um uns herum, wo man irgendwie gehen konnte, wenn es dann mal so ein musste.

00:18:05: Also es gab natürlich schon Situationen wo wir auch die Nerven blank lagen weil irgendwas kaputt war.

00:18:10: oder es war zu heiß oder man hatte Hunger und es gab kein Wasser oder solche Sachen.

00:18:15: aber das waren eigentlich nur kurze Momente die ja ganz normal sind in jedem Familienleben.

00:18:19: Das hat uns nicht an die Grenzen gebracht sag ich mal.

00:18:24: Gab es denn im Lauf der Reise?

00:18:25: Ich gehe davon aus dass es so war auch Situationen die ihr in irgendeiner Form als gefährlich wahrgenommen habt?

00:18:32: Ja, allerdings nur eine die ich tatsächlich als gefährlich einstufen würde.

00:18:37: Da sind wir irgendwie relativ spät an einem Stelle gefahren wo wir in so einer Overlander App gesehen hatten da soll es einen ganz guten freien Stellplatz geben.

00:18:47: in Guatemala war das?

00:18:48: An der Grenze.

00:18:50: dieser Stellplatz sollte am Grenzfluss zwischen Guatemala und Mexiko sein in die Dunkelheit gekommen, weil das ließ sich immer schwer kalkulieren wie schnell das Auto ist was es auch für Pisten sind.

00:19:03: Das war also eine Rumpelpiste.

00:19:04: da haben wir deutlich länger gebraucht als geplant und kam halt in der Dunkelhalt dahin und haben dann als wir auf diesen Fluss quasi... Der Fluss hat die Sackgasse geschlossen auf der wir davor fuhren.

00:19:15: erst wird er darauf zufuhren haben sie sich dann so aus dem Unterholz irgendwie so mehrere sechs, sieben komische Gestalten erhoben.

00:19:23: Das war wirklich sehr gruselig, muss ich sagen.

00:19:26: Außer es hätten sie irgendwelche Substanzen-Intos waren jedenfalls nicht so ganz bei sich und auf dem Fluss war dann auch ein Boot unterwegs.

00:19:35: Da hat man die Lichter gesehen.

00:19:36: also wir vermuten dass das irgendwelchen Drogenschmuggeleien waren ist ja auch da irgendwie an der Grenze zwischen Guatemala und Mexiko bekannt, dass es das gibt.

00:19:46: Und dann sind wir halt, haben wir uns nur angeguckt.

00:19:49: Mein Mann und ich und haben gesagt, okay, wir fahren jetzt hier zurück.

00:19:52: Wir mussten aber auch wirklich den Rückwärtsgang nehmen weil es gab keine Wendemöglichkeit.

00:19:56: Und sind dann so ganz langsam zurückgefahren.

00:19:59: Als wir dann irgendwann drehen konnten und wieder dem gleichen Weg zurückgenommen haben, den wir gekommen waren, kamen uns dann auch schon zwei Jeeps entgegen.

00:20:08: Plattefläche bewaffnete Jungs saßen und da haben wir gedacht oh das war jetzt tatsächlich glaube ich keine gute Situation, in der wir uns befunden haben.

00:20:17: Aber da sind wir wie gesagt nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen.

00:20:20: Ansonsten gab es eigentlich wirklich keine gefährlichen Situationen.

00:20:24: Es hat mich überrascht weil gerade in Kanada und USA hat uns jeder gewarnt irgendwie der gesagt was ihr wollt?

00:20:32: Mit Kindern nach Mexiko und Guatemala und das ist so ein heißes Blaster macht das nicht.

00:20:37: Also sie hatten uns dann schon wirklich auch ein bisschen Angst eingejagt obwohl wir am Anfang immer gesagt haben da passiert nix und wo aber tatsächlich nie was gewesen.

00:20:46: Also im Gegenteil, weil die haben sehr viele Militärposten auch an den Straßen in Mexiko, die haben uns immer sehr freundlich und neugierig irgendwie begrüßt und wollten wenn sie in den Lkw reingucken wollten dann mal das Neugierte.

00:21:00: Und wenn die dann immer schon gesehen haben, da hängen zwei so kleine Blonde Grinkos aus dem

00:21:03: Auto.

00:21:04: Dann hast du den Familienbonus gehabt und bist also wirklich überall ganz herzlich und freundlich durchgekommen.

00:21:09: Also wir haben wirklich teuter-teu Glück gehabt.

00:21:11: Haben auch von anderen Overlandern natürlich andere Geschichten gehört aber uns ist nie was passiert.

00:21:17: Das klingt prima!

00:21:18: Und in der Tat stehen ja auch Mexiko und Guatemala nicht im Ruf die allersichersten Reisenbänder auf der Welt zu sein.

00:21:26: Okay, du hast gesagt, ihr habt da noch ein bisschen in Guatemala ausgeharrt nach dem Lockdown und euch dann entschlossen wieder zurück nach Deutschland zu kommen mit LKW.

00:21:38: Und das war auf demselben Wege wie ihr auch hingekommen seid also natürlich von einem anderen Ausgangspunkt logischerweise.

00:21:44: aber da habt ihr auf einen Frachtschiff genutzt und seit dann hier in Deutschland in den Lockdown gekommen?

00:21:50: Ja genau!

00:21:50: Also wir haben den Lkw verschifft Und sind aber selber mit dem Flugzeug quasi über Madrid dann nach Hause geflogen und haben den Lkw dann irgendwie paar Wochen später in Hamburg abgeholt.

00:22:04: Genau, also dann sind wir hier zuhause direkt in den Lockdown gekommen und mussten auch erst mal zwei Wochen... Sind dann in unser Häuschen hier, unser ehemaliges Ferienhäuschen auf dem Land ins Schleswig-Holstein gezogen weil wir dann ja auch erstmal zwei Wochen Quarantäne einhalten müssen.

00:22:21: Mexiko galt da als Hochrisikengebiet Und genau.

00:22:26: Dann haben wir das eben ausgesessen und haben dann die Kinder hier an der lokalen, ich sage mal an der Lokal-Bullerbühgrundschule angemeldet weil das im Vergleich zu Hamburg, wo dies irgendwie dreizügig oder vierzügig sogar war da gab es hier pro Jahrgang eine Klasse mit zwölf Kindern oder so im Schnitt.

00:22:45: Das war für die Kinder auch ein super gutes Ankommen muss ich sagen.

00:22:48: Es war zwar dann auch mit Lockdown und allen Einschränkungen, die da mit einem hergehenden Homeschooling usw.. Aber trotzdem war es für uns eigentlich ein idealer Zustand, dass der erste Mal Lockdown war und man gar nicht so gleich wieder dem Alltag ausgesetzt war.

00:23:04: Und ihr seid dann auch bewusst in eine ländliche Umgebung gezogen und lebt da noch heute?

00:23:10: Ja!

00:23:11: Genau, also das war auch so die Idee.

00:23:13: Weil wir auf unserer Reise ja sehr viel in der Natur unterwegs waren und gemerkt haben wie gut uns das allen tut.

00:23:19: Also mit meinem Sohn habe ich ja schon erzählt meine Tochter.

00:23:23: Die ist... War auch schon als sie ganz klein war irgendwie sehr, sehr naturverbunden.

00:23:27: Die hat auf der Reise wirklich aufgeblüht.

00:23:30: Die hatte mit Kohli-Bries gesprochen.

00:23:33: Das klingt ein bisschen blöd!

00:23:35: Und es klingt bescheuert?

00:23:40: Auf der einen Seite, auf der anderen Seite.

00:23:43: Wenn man das mitbekommt was sie da für ein Draht zu tieren und auch Bäumen und also überhaupt so einem was sich in der Natur bewegt hat Das ist schon erstaunlich.

00:23:55: Da fängt man Anderen an zu glauben dass es da tatsächlich irgendwelche Naturgeister gibt Und dass manche Menschen die vielleicht auch sehen oder spüren können.

00:24:02: Also so ist die unterwegs und die braucht auf jeden Fall im Natur um sich herum.

00:24:06: Deswegen sind wir jetzt auch hier auf dem Land in die Selbstversorgerecke zurück.

00:24:11: Wir haben Hühner, wir haben Laufenden und zwei schottische Hochlandrinder.

00:24:17: Und genau genießen das auch sehr!

00:24:18: Ich bin zwar eigentlich kein landwirtschaftlicher, bäuerlicher Typ aber ja ich finde das alles ganz spannend.

00:24:27: Meine Tochter und mein Mann haben da eher ein Febel zu dieser ganzen Tier- und Landwirtschaftsschiene.

00:24:33: Die blühen auf.

00:24:35: Ich find's einfach toll, mitzuerleben.

00:24:36: Das war jetzt schon eine schöne Überleitung zu meiner fast letzten aber eigentlich auch spannendsten Frage wie.

00:24:42: ich finde denn auf so einem Trip sammelt man ja ganz viele Eindrücke und du hast es ganz einwuchstvoll geschildert dass man noch vielen Dingen begegnet die man noch nie so gesehen hat und wo man vielleicht nicht gedacht hat das man damit überhaupt was anfangen könnte.

00:24:57: Was hat denn diese Reise bei euch für euch?

00:25:01: Mit euch an Eurer Wahrnehmung, eurer Umgebung hier in Deutschland verändert.

00:25:08: Also verschieden ist.

00:25:08: also der unmittelbarste Eindruck war natürlich wenn du von so einer Reise zurück kommst und dich gerade in so Ländern wie Guatemala länger aufgehalten hast und da auch die Menschen kennengelernt hast, so ist es natürlich der erste Eindruck.

00:25:23: erstmal, also was haben wir hier eigentlich zum Neckhang?

00:25:26: Also wir leben in so einer heile Weltbubble und alle Probleme die es natürlich auch gibt.

00:25:31: Die kann man ja nicht wegdiskutieren aber das ist ein sehr hohem Niveau.

00:25:37: Da versuchen wir auch nach wie vor uns gar drauf einzulassen auf solche Jammer rein, versuchen irgendwie... Also auch so ein Stück weit das Vertrauen, das Gottvertrauen was wir da auf der Reise immer wieder bestätigt gefunden haben.

00:25:52: Das auch hier irgendwie zu leben.

00:25:54: also indem wir einfach sagen naja jetzt keine Ahnung fehlt mir irgendwie ein passendes Beispiel aber es passieren einem ja im Alltag auch Dinge die irgendwie blöd sind die gar nicht so ernst zu nehmen sondern zu sagen das wird schon für irgendwas gut sein.

00:26:07: mal gucken wo mich das jetzt hinführt.

00:26:09: Ich werde irgendeine Lösung finden, da bin ich mir ganz sicher und mache einfach kleine Schritte und sehe das nicht als so die große Katastrophe an.

00:26:18: Also diese Ruhe und das Gott vertrauen dass irgendwie alles seinen Weg gehen wird egal welcher Weg das jetzt dann ist.

00:26:27: Die haben wir auf jeden Fall mitgenommen.

00:26:29: Aber es ist natürlich auch so, ein Stück weit bleibt man natürlich auch man selber.

00:26:32: Also es sind beide... also mein Mann und ich wir sind beide Typen die nicht lange still sitzen können.

00:26:38: irgendwas muss immer passieren irgendwelche großen Projekte schaffen wir uns dann doch immer wieder an oder ziehen uns hier in Land so.

00:26:46: aber das ist glaube ich auch für uns als Familie einfach im Rückblick der wie schon eingangs gesagt hatte so bisschen der Rettungsanker gewesen weil wir als bevor wir losgefahren sind unsere Kinder eigentlich nicht wirklich kannten und unsere Kinder uns auch nicht.

00:27:01: Und das hat sich auf der Reise halt drastisch verändert und ist bis heute so geblieben, dass wir da ein sehr vertrauensvolles, fast partnerschaftliches Verhältnis haben, wo natürlich ... Wir sind immer noch die Eltern und haben die Verantwortung aber nehmen die Gedanken der Kinder schon sehr ernst.

00:27:18: Das klingt alles nach sehr schönen Erlebnissen und auch nach einem sehr schöner Perspektivwechsel den ihr dadurch erlangen konntet.

00:27:26: Lieber Anja, vielen Dank für die spannenden Ansichten und Einsichten.

00:27:30: Und für deine eindrucksvolle Schilderung eurer Wahnsinnsreise.

00:27:34: Ja, vielen dank dir lieber Christian!

00:27:35: Für die Einladung

00:27:48: wird Spaß gemacht.

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von und mit Redaktion Reise vor9

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